Formen und Ausprägungen
Grandios, vulnerabel, somatisch, zerebral, maligne – Überblick über gängige Beschreibungen und ihren wissenschaftlichen Status.
In Literatur und Ratgebern werden verschiedene „Formen“ von Narzissmus unterschieden. Nur die Unterscheidung zwischen grandiosen und vulnerablen Ausprägungen ist in der Forschung gut etabliert. Die übrigen Begriffe sind beschreibende Konzepte, keine eigenständigen Diagnosen.
Übersicht
- Grandioser Narzissmus – Überlegenheitsgefühl, Bewunderungssuche, Dominanz. Gut belegt als Forschungskonstrukt.
- Vulnerabler / verdeckter Narzissmus – Kränkbarkeit, Scham, Rückzug bei gleichzeitigem Anspruchsdenken. Gut belegt als Forschungskonstrukt, aber keine eigene Diagnose.
- Somatischer Narzissmus – Fokus auf Körper, Aussehen, Attraktivität. Beschreibendes Konzept, keine Diagnose.
- Zerebraler Narzissmus – Fokus auf Intelligenz und Wissen. Beschreibendes Konzept, keine Diagnose.
- Maligner Narzissmus – Kombination aus Narzissmus, Aggression, Paranoia und antisozialen Zügen. Klinisches Konzept aus der psychoanalytischen Tradition, keine Diagnose in ICD-11 oder DSM-5.
Warum die Einordnung wichtig ist
Wer beschreibende Begriffe wie Diagnosen verwendet, riskiert Etikettierung und Stigmatisierung. Beschreibungen können helfen, eigenes Erleben in Beziehungen zu verstehen – sie sagen aber nichts Verbindliches über die psychische Gesundheit einer anderen Person aus.
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Quellen
Wink P., Two faces of narcissism, Journal of Personality and Social Psychology 1991; Pincus A. L. & Lukowitsky M. R., Pathological narcissism and narcissistic personality disorder, Annual Review of Clinical Psychology 2010.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.