Ursachen und Einflussfaktoren

Wie biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammenwirken – ohne Schuldzuweisung.

Es gibt keine einzelne Ursache. Funktionelle Beschwerden entstehen im Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die auslösend, prädisponierend oder aufrechterhaltend wirken können.

Biologische Faktoren

  • Veränderte Reizverarbeitung im zentralen Nervensystem (zentrale Sensibilisierung)
  • Regulation des autonomen Nervensystems (Sympathikus/Parasympathikus)
  • Vorausgegangene Infektionen, Entzündungen oder Operationen
  • Genetische Veranlagung, hormonelle Einflüsse, Schlafmangel
  • Veränderungen der Darm-Hirn-Achse und der Mikrobiota

Psychologische Faktoren

  • Anhaltender Stress und fehlende Erholungsphasen
  • Aufmerksamkeitslenkung auf den Körper, verstärkte Selbstbeobachtung
  • Erwartungen und Vorerfahrungen (Nocebo-Effekte)
  • Angst vor einer schweren Erkrankung, Katastrophisieren
  • Belastende Lebensereignisse, in manchen Fällen frühe Traumatisierungen

Soziale Faktoren

  • Belastungen in Beruf, Familie und Pflegeverantwortung
  • Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem, wiederholte Untersuchungen ohne Erklärung
  • Erleben, nicht ernst genommen zu werden
  • Finanzielle Unsicherheit, soziale Isolation

Ein Modell, kein Vorwurf

Der Hinweis auf psychologische Faktoren bedeutet nicht, dass jemand „schuld“ an seinen Beschwerden ist oder sie sich „nur einbildet“. Psychische Prozesse sind biologische Prozesse – Aufmerksamkeit, Anspannung und Erwartung verändern messbar Muskeltonus, Durchblutung, Darmmotilität und Schmerzverarbeitung.

Quellen

Henningsen P., Zipfel S., Herzog W., Management of functional somatic syndromes, The Lancet 2007; Van den Bergh O. et al., Symptoms and the body, Neuroscience & Biobehavioral Reviews.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.