Stress und Körper

Autonomes Nervensystem, Stressachse und Körperwahrnehmung – wie Anspannung körperlich wirkt.

Das autonome Nervensystem

Der Sympathikus bereitet den Körper auf Aktivität vor: höherer Puls, mehr Muskeltonus, veränderte Atmung, gedrosselte Verdauung. Der Parasympathikus sorgt für Erholung. Bei anhaltender Belastung kann diese Umschaltung träge werden – der Körper bleibt in einem Zustand erhöhter Aktivierung.

Die Stressachse

Über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse wird Cortisol ausgeschüttet. Kurzfristig ist das sinnvoll, langfristig kann es Schlaf, Immunsystem, Schmerzverarbeitung und Stimmung beeinflussen.

Körperwahrnehmung und Vorhersage

Das Gehirn nimmt Körpersignale nicht passiv auf, sondern trifft ständig Vorhersagen darüber, was im Körper geschieht (prädiktive Verarbeitung). Erwartungen, Aufmerksamkeit und frühere Erfahrungen beeinflussen deshalb, wie stark ein Signal wahrgenommen wird. Das erklärt, warum Beschwerden real sind, auch wenn kein Gewebeschaden vorliegt.

Typische Kreisläufe

Symptom → Sorge → verstärkte Selbstbeobachtung → Anspannung → stärkeres Symptom. Oder: Schmerz → Schonung → Konditionsverlust → mehr Schmerz bei Belastung. Diese Kreisläufe zu erkennen ist ein wichtiger Behandlungsschritt.

Was hilft

Regelmäßiger Schlafrhythmus, verlässliche Erholungsphasen, moderate Bewegung, Atemtraining (langsames Ausatmen aktiviert den Parasympathikus), soziale Kontakte und ein realistischer Umgang mit Anforderungen.

Quellen

McEwen B., Stress, adaptation and disease: allostasis and allostatic load; Barrett L. F. & Simmons W. K., Interoceptive predictions in the brain, Nature Reviews Neuroscience.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.