Maligner Narzissmus
Ein klinisches Konzept an der Schnittstelle von Narzissmus, Aggression und antisozialen Zügen.
Herkunft des Begriffs
Der Begriff geht auf Erich Fromm zurück und wurde von Otto F. Kernberg als klinisches Konzept ausgearbeitet. Er beschreibt eine besonders schwere Ausprägung narzisstischer Pathologie.
Beschriebene Merkmale
- Starker Narzissmus: ausgeprägte Grandiosität und Selbstbezogenheit
- Aggressivität: feindselige, gelegentlich sadistische Impulse
- Ausbeutung: systematisches Nutzen anderer für eigene Ziele
- Fehlende Empathie: geringe Fähigkeit oder Bereitschaft zum Mitfühlen
- Antisoziale Verhaltensweisen: Regelverstöße, Täuschung, Verantwortungslosigkeit
- Starkes Misstrauen / paranoide Tendenzen: Erwartung von Feindseligkeit, Rachegedanken
Bedeutung in der Praxis
Das Konzept wird vor allem genutzt, um besonders schwere Verläufe und hohe Gefährdung in Beziehungen einzuordnen. In solchen Konstellationen stehen Sicherheit, Abstand und professionelle Unterstützung im Vordergrund.
Wichtige Klarstellung
„Maligner Narzissmus“ ist keine eigenständige offizielle psychiatrische Diagnose. Weder ICD-11 noch DSM-5 führen ihn als Diagnose. Der Begriff wird zudem im Alltag häufig als Kampfbegriff verwendet – davon raten wir ausdrücklich ab.
Bei Gewalt oder Bedrohung: Wende dich an Polizei (133 bzw. 112), Gewaltschutzzentren oder Frauen- und Männerberatungsstellen.
Quellen
Kernberg O. F., Severe Personality Disorders; Fromm E., The Heart of Man; DSM-5 (APA); ICD-11 (WHO).
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.