Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Die klinische Diagnose: Kriterien nach DSM-5 und ICD-11, Häufigkeit, Verlauf und Behandlung.

Diagnose nach DSM-5

Das DSM-5 beschreibt die narzisstische Persönlichkeitsstörung als tiefgreifendes Muster von Großartigkeit (in Fantasie oder Verhalten), Bewunderungsbedürfnis und Mangel an Empathie, das im frühen Erwachsenenalter beginnt und sich in verschiedenen Lebensbereichen zeigt. Mindestens fünf von neun Kriterien müssen erfüllt sein, unter anderem übertriebenes Selbstwichtigkeitsgefühl, Fantasien von grenzenlosem Erfolg, Anspruchsdenken, Ausnutzen von Beziehungen und Neid.

Diagnose nach ICD-11

Die ICD-11 hat die kategorialen Persönlichkeitsstörungen abgelöst. Diagnostiziert wird eine Persönlichkeitsstörung nach Schweregrad (leicht, mittel, schwer) mit ergänzenden Merkmalsdomänen – narzisstische Muster werden vor allem über die Domänen Dissozialität und teils Negative Affektivität abgebildet.

Häufigkeit

Prävalenzschätzungen schwanken je nach Methode; in der Allgemeinbevölkerung liegen sie meist im Bereich von etwa 1 %. Männer sind in klinischen Stichproben häufiger vertreten.

Leidensdruck

Betroffene erleben oft Instabilität im Selbstwert, Konflikte in Beziehungen und Beruf, depressive Einbrüche nach Kränkungen sowie erhöhtes Risiko für Depressionen und Suchterkrankungen. Der Leidensdruck ist real, wird aber häufig nicht als narzisstisches Problem benannt.

Behandlung

Psychotherapie ist die Behandlung der Wahl. Wirksam eingesetzt werden unter anderem übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP), Schematherapie, mentalisierungsbasierte Ansätze und modifizierte kognitive Verhaltenstherapie. Die Behandlung erfordert Zeit und eine tragfähige therapeutische Beziehung. Medikamente behandeln allenfalls Begleitsymptome.

Hinweis: Eine Diagnose kann nur im persönlichen Kontakt durch Fachpersonen gestellt werden.

Quellen

DSM-5 (APA); ICD-11 (WHO); Caligor E., Levy K. N., Yeomans F. E., Narcissistic personality disorder: diagnostic and clinical challenges, American Journal of Psychiatry 2015.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.